Mit Autogenem Training entspannen

Entspannungsmethode Autogenes Training

Was kann ich tun, um zu entspannen und abzuschalten? Wie kann ich ruhiger und gelassener werden? Das Autogene Training ist eine wissenschaftlich anerkannte und wirksame Entspannungsmethode. Wie du Autogenes Training richtig anwendest, liest du in diesem Artikel.

Was ist Autogenes Training und wie wirkt es?

Das Autogene Training wird oft mit den Buchstaben AT abgekürzt. Es ist eine Methode der konzentrativen Selbstentspannung.

Der Begriff Autogenes Training leitet sich ab von auto (griech. selbsttätig) und gen (lat. erzeugen, hervorbringen) und bedeutet so viel wie „eine von innen heraus, selbsttätig erzeugte Entspannung“.

Die meisten Menschen lernen das Autogene Training in Kursen oder mit einer Entspannungs-CD. Dabei wird die Entspannung zunächst von außen her erzeugt: über die Stimme des Kursleiters oder über die CD bzw. ein Video. So kann ein gewisses Maß an Entspannung erreicht werden. Das Ziel ist jedoch die selbstständig erreichte Entspannung ohne Hilfsmittel wie eine CD oder eine angeleitete Entspannung. Wenn du das Autogene Training richtig lernst und regelmäßig übst, dauert es mindestens 6 Wochen, bis du die Entspannungsmethode sicher beherrscht. Dann kannst du innerhalb kürzester Zeit, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort und ohne Hilfsmittel entspannen. Während des Lernzeitraums wirkt das Autogene Training natürlich schon, aber noch nicht so tief greifend.

Entwicklung des Autogenen Trainings

Vor etwa 100 Jahren entdeckte der Psychoanalytiker und Arzt Johannes H. Schultz das Autogene Training. Er arbeitete in seiner Praxis viel mit Hypnose und bemerkte, dass viele seiner Klienten ein Gefühl von Schwere und Wärme während der Hypnose fühlten. Da die meisten Menschen in der Lage sind, allein mithilfe ihrer Vorstellungskraft einen Zustand tiefer Entspannung zu erreichen, entwickelte er das Autogene Training auf Basis der Schwere- und der Wärmeübung.

Bei Menschen, die sich intensiv darauf konzentrieren, Wärme in ihren Armen zu fühlen, kann tatsächlich eine Erhöhung der Temperatur an der Haut gemessen werden. Diese Erwärmung führt man auf eine vermehrte Durchblutung in diesem Bereich zurück.

Ursprünglich nutzte Schultz das Autogene Training zur Unterstützung bei der Behandlung psychisch kranker Menschen. Heute wird das Autogene Training auch von gesunden Menschen angewendet, um die allgemeine Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Nach wie vor wird das Autogene Training zur Entspannung bei stressbedingten psychischen Beschwerden wie zum Beispiel Tinnitus, Schlafstörungen, innere Unruhe, Ängste oder Nervosität angewendet.

Wie funktioniert das Autogene Training?

Beim Autogenen Training konzentrierst du dich auf verschiedene Formeln und lernst damit, deinen Körper zu beeinflussen und zu entspannen. Du übst das Empfinden von Ruhe, Schwere und Wärme. Das Sonnengeflecht (Nervenknoten) wird reguliert, Atem und Herztätigkeit ruhig eingestellt. Der Kopf wird aus der tiefen Entspannung herausgenommen, damit du einen kühlen und klaren Kopf bewahrst.

Autogenes Training
Autogenes Training

Die Übungen des Autogenen Trainings:

  1. Ruhe und Schwere
  2. Wärme
  3. Atem
  4. Sonnengeflecht
  5. Herz
  6. Stirnkühle

Wenn du den Links der einzelnen Übungen folgst, kommst du zu Videos auf meinem Youtube-Kanal. Ich habe zu jeder Übung des Autogenen Trainings ein Anleitungsvideo erstellt, mit dem du die Übung direkt lernen kannst. In einer Playlist Autogenes Training findest du alle Videos zu den einzelnen Übungen in einer Übersicht.

Wie wirkt das Autogene Training?

Das Autogene Training wird im Liegen oder im Sitzen geübt. Eine Übung wird solange regelmäßig geübt, bis sich das entsprechende Gefühl einstellt: Wenn sich Arme und Beine schwer anfühlen, geht es weiter mit der Wärmeübung usw.

Mit der Formel „Ich bin ruhig“ wird die Entspannung eingeleitet.

Das Gefühl der Schwere breitet sich aus, wenn die Muskulatur erschlafft. Dieses entspannte Gefühl kennst du bestimmt von deinem Körpergefühl, kurz bevor du einschläfst.

Das Gefühl der Wärme breitet sich aus, wenn der Körper insgesamt besser durchblutet wird. Dein Körper fühlt sich dann so an, wie in der Sauna oder in einer warmen Badewanne.

Bei der Atemeinstellung vertieft sich die Atmung und wechselt im Idealfall von der flachen Brustatmung zur tiefen Bauchatmung. Die Atemqualität verbessert sich deutlich, der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt.

Die Übung zum Sonnengeflecht spricht den Solar Plexus an. Das ist ein Nervengeflecht im Bauchraum, etwa eine Handbreit unter dem Brustbein. Der Solar Plexus reguliert unter anderem die Tätigkeit von Magen und Darm. Daher ist die Sonnengeflechtsübung besonders geeignet, wenn du unter Verdauungsbeschwerden leidest.

Bei der Herzübung soll die Herzfrequenz reguliert werden, um ruhig zu werden.

Bei der letzten Übung wird über die Empfindung einer kühlen Stirn der Kopf aus der tiefen Entspannung herausgenommen werden. Du sollst einen klaren und kühlen Kopf bewahren, um nach einer Trainingseinheit wieder frisch und munter zu sein. Wenn du das Autogene Training zum Einschlafen nutzt, dann lass diese Übung. Du kannst dann entspannt in den Schlaf gleiten.

Wann hilft das Autogene Training?

Die Entspannungsmethode wird unter anderem bei diesen Problemen angewendet:

  • Stress
  • Burnout und Burnout-Prophylaxe
  • Schlafstörungen (Probleme mit dem Einschlafen oder dem Durchschlafen, Schlaflosigkeit)
  • Ängste und Panikattacken
  • Schmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • stressbedingte körperliche Beschwerden (z. B. Schwindel oder Verdauungsbeschwerden)
  • Muskelverspannungen
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • innere Unruhe und Nervosität

Bei bestimmten Erkrankungen sollten die Entspannungsübungen nicht durchgeführt werden: bei akuter Migräne, Epilepsie, Herzkrankheiten, Asthma und bei einigen psychischen Erkrankungen.

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Ist die Entspannungsmethode gefährlich?

Nein! Die Übungen stellen eine Art der Selbsthypnose dar, die aber nichts mit der Showhypnose aus dem Fernsehen zu tun hat, bei der Menschen dazu gebracht werden, sich auf der Bühne vor einem Publikum lächerlich zu machen.

Wie lange dauert es, bis Autogenes Training wirkt?

Um die autogene Entspannung richtig zu erlernen, braucht man mehrere Wochen. Angebotene Kurse dauern meist zwischen 6 und 8 Wochen. Das heißt aber nicht, dass du erst dann wirklich die Wirkungen spürst.

Jede Übung, die du machst, verankert sich im Gehirn und bringt dich deinem Ziel ein Stück näher. Insgesamt gilt: Wenn du häufiger aber nur kurz übst, ist das effektiver, als wenn du seltener längere Übungen machst. Du kannst mehrmals pro Tag für 2 Minuten üben. Wenn du 10-mal am Tag übst, bringt das keine schnelleren Ergebnisse, als wenn du nur 2-mal am Tag übst. Wichtig ist die Regelmäßigkeit.

Trotzdem kann es für dich sinnvoll sein, häufig am Tag zu üben, da du mit jeder Übungseinheit ein wenig ruhiger und entspannter wirst. Wenn du gerade sehr belastet bist, kann das sehr hilfreich für dich sein, um durch den Tag zu kommen.

Was ist autogenes Training für Kinder?

Immer mehr Kinder stehen unter schulischem Druck oder leiden bereits unter Freizeitstress. Sie reagieren häufig mit unklaren Kopf- oder Bauchschmerzen, reagieren mit Wutanfällen oder ziehen sich zurück. Die autogene Entspannung kann auch Kindern helfen.

Die Übungen – so wie ich sie in diesem Artikel beschrieben habe und in den Videos anleite – sind für Kinder ab dem Schulalter geeignet. Für kleinere Kinder gibt es Fantasiereisen, in denen die Übungen kreativ verpackt sind. So wird das Gefühl der Wärme zum Beispiel darüber erzeugt, dass der Zwerg aus der Fantasiereise auf einer Bank sitzt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt.

Häufig wird die Entspannungsmethode in Kitas oder in der Schule genutzt, damit Kinder lernen, wie sie sich in stressigen Situationen beruhigen können. Ein weiterer positiver Effekt: Die Konzentrationsfähigkeit und damit die schulischen Leistungen der Kinder verbessern sich.

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